Pressespiegel: Picobellotag & Naziübergriffe

Für den **.09.2011 riefen Antifaschist_innen zu einem „antifaschistischem Picobello-Tag“ in Wuppertal-Vohwinkel auf. Dort angekommen wurde eine Gruppe Antifas von der Polizei gekesselt; Nazis hängtn ein Transparent aus einem Fenster. Einen Tag später beim „Vohwinkeltag“ griffen am späten Abend ca 15 Nazis eine Gruppe Antifaschist_innen mit Knüppeln an, 4 Opfer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Kurz darauf nahmen Polizist_innen 15 Nazis in einer Wohnung auf der Kaiserstraße fest. Hier ein Pressespiegel:

Polizeipresse 23.09.:

POL-W: W-Spontanversammlung in Vohwinkel

Wuppertal (ots) – Über verschiedene Internetseiten rief das sogenannte „Wuppertaler Bündnis gegen Nazis“ für den heutigen Tag zu einem antifaschistischen Picobello-Tag auf. Im Verlauf des Abends sammelten sich im Bereich der Kaiserstraße ca. 50 Personen des rechten und ca. 30 Personen des linken Spektrums. Ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen konnte durch Polizeikräfte verhindert werden. Hierbei musste die Kaiserstraße kurzfristig komplett gesperrt werden. Im weiteren Verlauf wurde durch eine Person des rechten Spektrums spontan eine Versammlung mit Aufzug unter dem Motto: „Gegen Polizeigewalt“ angemeldet. Der Aufzug wurde mit ca. 35 Personen auf einem Fahrstreifen über die Kaiserstraße, Eugen-Langen-Straße bis zur Möbecker Straße und zurück durchgeführt. Kurz vor Ende des Aufzugs skandierte ein Teil der Teilnehmer diverse Parolen. Strafanzeigen hierzu werden gefertigt, die Ermittlungen dauern an.

Pressemitteilung „Antifaschistische Initiative Wuppertal“:

[Wuppertal) Versuchter Totschlag auf dem Wuppertaler Flohmarkt -
Bewaffnete Nazis greifen linke FlohmarktbesucherInnen an -
Vier schwere Kopfverletzungen

Der Naziterror hat heute morgen um 3:00 Uhr in Wuppertal einen neuen Höhepunkt erreicht. Linke FlohmarktbesucherInnen wurden auf der Kaiserstrasse Höhe Hausnr. 27 von einer 12 köpfigen Nazigruppe mit Knüppeln und Fahnenstangen angegriffen.
Als Nazischläger wurden erkannt: die Wuppertaler Mike Dasberg, Michel Dasberg und Rene Heuke. Von auswärts kamen u.a. Matthias Drewer (Hamm), Maik Inderhees (Viersen), Yvonne Faust (Dortmund) und Patrick Prass (Düsseldorf).
Begonnen hatte der Naziüberfall mit einem körperlichen Angriff der beiden Dasberg-Brüder Maik und Michel Dasberg auf zunächst zwei Personen aus der Punkszene in der Nähe einer Döner-Bude. Zur Verstärkung kam dann direkt aus dem Wohnhaus Kaiserstr. 30 ein Trupp bewaffneter und zum Teil vermummter Nazis und griff wahllos linksaussehende Leute an. Die Nazis knüppelten gezielt auf die Köpfe der Menschen ein, die zum Teil schwere Kopfverletzungen zu erleiden hatten. Als Täter erkannt wurden u.a. Maik und Michel Dasberg und der Hammer Neonazi Matthias Drewer. Michel Dasberg hielt eine junge Frau fest und Drewer schlug mit dem Knüppel mehrfach auf ihren ungeschützten Kopf ein. Die schwere Kopfplatzwunde musste später im Krankenhaus chirurgisch versorgt werden, es bestand Verdacht auf einen Schädelbruch. Insgesamt wurde 4 Personen durch Knüppelschläge am Kopf verletzt und mussten ärztlich versorgt werden.
Die PassantInnen, die in großer Zahl auf der Strasse waren, halfen leider nicht. Die herbeigerufene Polizei schikanierte – wie gewohnt – die AntifaschistInnen und drangsalierten die z.T. stark blutenden Personen noch mit Personenkontrollen anstatt erste Hilfe zu leisten.
Die Nazis konnten derweil in das Wohnhaus Kaiserstr. 30, in der sich die Wohnung des Nazis Rene Heuke befindet, zurückflüchten und grinsten aus den Fenstern. Ein anderer Nazis hatte den (vorbereiteten) Überfall die ganze Zeit mit einer Kamera gefilmt.
Wenig später durchsuchte Bereitschaftspolizei die Naziwohnung und traf noch 15 Nazis mit einer umfangreichen Waffensammlung an.
In der Pressemitteilung der Polizei wird der bewaffnete Nazi-Überfall wieder zu einer Rechts-Links-Schlägerei heruntergelogen. Die zunehmende Nazigewalt in Wuppertal, nach Messerangriffen, jetzt die Knüppelschläge auf ungeschützte Köpfe, wird weiter gezielt verharmlost und nicht verfolgt. Weil die Nazigewalt im schönen Vohwinkel immer noch keinen stört und weil es eine kritische Presse, die nicht nur Polizeimeldungen abschreibt, nicht mehr gibt.
Da ist wieder einmal Eigeninitiative und Zivilcourage gefragt. Lassen wir den Antisemiten und Rassisten kein Fussbreit! Auf nach Vohwinkel…
Antifaschistische Initiative Wuppertal 25.9.2011

WDR 25.09.:

In der Nacht zum Sonntag (25.09.2011) ist es in Wuppertal zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen gekommen. Wie die Polizei mitteilte, wurden 15 Personen aus dem rechten Spektrum festgenommen. Zwei Fünfzehnjährige übergab die Polizei in die Obhut der Eltern. Insgesamt gab es vier Verletzte, einige wurden im Krankenhaus behandelt.

In einer Wohung, in der sich Mitgleder aus der rechten Szene zurückgezgen hatten, wurden u.a. Schlagwerkzeuge sichergestellt. Zum Auslöser der Attacken machte die Polizei keine Angaben.

WZ 26.09.:

Mauer des Schweigens nach Schlägerei auf dem Flohmarkt

Von Andreas Spiegelhauer

Bei den Ermittlungen zu dem Übergriff auf dem Vohwinkeler Flohmarkt hat die Polizei ein Problem: Ihr gegenüber schweigen die Verdächtigen und die Opfer.

Vohwinkel. Nach der Schlägerei auf der Kaiserstraße während der Aufbauarbeiten zum Vohwinkeler Flohmarkt ermittelt die Polizei gegen 15 Personen, die dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden, wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Klärung des Falls – laut Augenzeugenberichten sollen mehrere Neonazis gezielt Personen aus dem linken Spektrum an einem Stand angegriffen haben – wird durch altbekannte Probleme behindert.

Vohwinkel-Wochenende: Die Polizei war auf Übergriffe vorbereitet

Dass die Tatverdächtigen von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen, ist wenig überraschend. Aber auch die Opfer sind offenbar nicht bereit, mit der Polizei zu reden. Die ließ sich am Montag nicht den Schwarzen Peter zuschieben (siehe Kasten). Nach entsprechenden Ankündigungen im Internet sei man auf etwaige Übergriffe verfeindeter Extremisten vorbereitet gewesen und habe schnell eingegriffen. Nach WZ-Informationen war deswegen an allen drei Festtagen ein zusätzliches Kontingent von etwa 50 Bereitschaftspolizisten vor Ort.

Für den Einsatz der Polizei gab es viel Lob, unter anderem von Flohmarktmitveranstalter Andreas Schäfer: „Die Polizei hat einen sehr guten Job gemacht.“ Wie berichtet, waren in einer Wohnung an der Kaiserstraße jene 15 Verdächtigen festgenommen worden, Fahnenstangen, Handschuhe, Sturmhauben und Pfefferspray „präventiv“ einkassiert worden. Und: Die Verdächtigen wurden erst am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam in Barmen entlassen – da war der Flohmarkt bereits friedlich zu Ende gegangen.

Neonazis in Vohwinkel bekommen Zulauf aus dem Osten der Stadt

Nach dem erneuten Übergriff von Extremisten ändert die Polizei ihre Sicht auf die neue Vohwinkeler Neonazi-Szene. Greifbare Führungsstrukturen seien zwar auch bei der Schlägerei auf dem Flohmarkt nicht zu erkennen – eine Verfestigung der Gruppe und ein gewisser Zulauf jedoch schon. Nach WZ-Informationen sollen mehrere dem rechtsextremen Spektrum zugerechnete Neonazis mittlerweile vom Osten der Stadt nach Vohwinkel gezogen sein.

„Die Polizei hat einen sehr guten Job gemacht.“

Andreas Schäfer, Organisator des Vohwinkeler Flohmarkts

Die Szene im Westen – ein Treffpunkt war bislang am Bahnhof Vohwinkel – werde beobachtet, heißt es, seitdem es im Dezember 2010 im und am Cinemaxx-Foyer einen Pfefferspray-Angriff auf Besucher eines Aufklärungsfilms über Neonazis gegeben hatte. Am Montag bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass die entsprechenden Verfahren – unter anderem wegen Landfriedensbruchs – eingestellt worden sind. Weil die Angreifer damals vermummt waren, sei es nicht möglich zu klären, wer was getan hat. Zu den Cinemaxx-Verdächtigen gehörte unter anderem ein 26 Jahre alter Wuppertaler, der jetzt im Vohwinkeler Fall erneut unter Verdacht steht.

Die Schlägerei wird von Zeugen als geplanter, kaum eine Minute dauernder gezielter Überfall auf Personen dargestellt. Die Rechten hätten dabei Holzschlagstöcke eingesetzt. Auch Flaschen seien geflogen. Aus dem Fenster der Wohnung, in der die Verdächtigen später festgenommen wurden, seien nach dem Übergriff die Opfer auf der Kaiserstraße fotografiert beziehungsweise gefilmt worden. Laut Polizei wurde in der Wohnung jedoch keine Kamera sichergestellt. Auch auf dem Lienhardtplatz sollen Flaschen geflogen sein. Der Platz sei mit Scherben übersät gewesen.

Die Polizei wies gestern im Internet kursierende Kritik an ihrem Einsatz zurück, wonach die Opfer von den Beamten schikaniert worden seien. Unterschiede in der Behandlung gebe es nicht, hieß es dazu seitens der Pressestelle. Es gehe um Gefahrenabwehr und Aufklärung. Auch der Vorwurf, Passanten hätten nicht eingegriffen, sei nicht zutreffend. Mehrere Augenzeugen hätten umgehend per Handy die Polizei alarmiert. Übergriffe gegenüber Unbeteiligten oder Ausländern hat es laut Polizei nicht gegeben. mst/akf

Zum aktuellen Fall dauern die Ermittlungen von Kripo und Staatsschutz an.

WZ 27.09.:

Neonazis in Vohwinkel: Stadt will Zulauf stoppen WZ

Von Andreas Spiegelhauer

Im November wird ein Präventionspaket vorgestellt.

In Oberbarmen hat die Stadt vor einigen Tagen dieses Erkennungszeichen der Neonazi-Szene abmontiert. Nun will sie auch in Vohwinkel verstärkt gegen Rechtsextreme vorgehen. (Archivfoto)

Vohwinkel. Nach der Schlägerei zwischen Rechts- und Linksextremisten in der Nacht vor dem offiziellen Beginn des Vohwinkeler Flohmarkts auf der Kaiserstraße hat Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) Konsequenzen angekündigt. Um zu verhindern, dass die Vohwinkeler Neonazi-Szene weiteren Zulauf bekommt, will die Stadt präventive Maßnahmen auf den Weg bringen. So sollen Lehrer für das Thema „Extremismus und Jugendliche“ speziell fortgebildet werden. Kühn: „Wir müssen verhindern, dass junge Leute auf ausländerfeindliche Parolen hereinfallen.“ Deshalb soll auch der antirassistische Bürgerbahnhof weitere Unterstützung bekommen. Das Präventionspaket und dessen Finanzierung werden im kommenden November im Jugendausschuss vorgestellt.

Schlägerei: Opfer haben gegenüber dem Staatsschutz ausgesagt

Wie berichtet, waren in der Nacht auf Sonntag 15 Neonazis festgenommen und erst nach Ende des Flohmarkts am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Acht Personen – sie werden von der Polizei der linken Szene zugerechnet – wurden verletzt, drei von ihnen ambulant im Krankenhaus versorgt. Und: Wie die Polizei auf WZ-Nachfrage bestätigte, haben mittlerweile vier der Opfer gegenüber dem Staatsschutz Aussagen zu den Vorfällen auf der Kaiserstraße gemacht.

An dem Angriff während des Flohmarkts sollen auch auswärtige Extremisten (Ruhrgebiet, Niederrhein) beteiligt gewesen sein. Die Polizei konstatiert mittlerweile, dass die neue Neonaziszene in Vohwinkel Zulauf bekommt. Nach WZ-Informationen sind polizeibekannte Rechtsextreme mittlerweile vom Osten der Stadt nach Vohwinkel gezogen. Die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung dauern an.

Pressemitteilung Die Linke 28.09.:

In der Nacht vom 24.9. auf den 25.9.2011überfielen stadtbekannte Nazis linke Flohmarktbesucher und verletzten sie teilweise so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Bei der späteren Durchsuchung der Wohnung eines der Täter fand die Polizei eine umfangreiche Waffensammlung vor.
DIE LINKE Wuppertal kritisiert die bisherige Vorgehensweise der Polizei und der Verantwortlichen im Umgang mit den Wuppertaler Nazivorfällen. Indem das offensichtliche Problem durch Nichtwahrnehmung der offiziellen Stellen toleriert wird, werden die Nazis immer mehr ermutigt, gewaltsamer und militanter vorzugehen. Angefangen mit dem Überfall im CinemaxX, bei dem die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und wie jetzt bekannt wurde, die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellte, genehmigte die Stadt Wuppertal einen unsäglichen Naziaufmarsch am 29.1.2011 in Wuppertal.

Seit der Nazi-Demonstration im Januar werden Einrichtungen, die für die Gegendemonstrationen der Wuppertaler Bevölkerung warben, angegriffen.Am 16.6.2011 griffen Nazis eine Antifaschistin in Elberfeld an, die zum Glück unverletzt blieb.

Den traurigen Höhepunkt der gewaltsamen Übergriffe stellte nun der Angriff mit Knüppel und Fahnenstangen in Vohwinkel dar.

DIE LINKE Wuppertal bekundet ihre Solidarität mit den Verletzten und allen engagierten AntifaschistInnen.

DIE LINKE
Kreisverband Wuppertal

WDR: Schwere Vorwürfe gegen die Polizei in Vohwinkel

Gegen die Polizei in Vohwinkel gibt es schwere Vorwürfe. Die Beamten vor Ort würden die Probleme mit Nazis im Stadtteil verharmlosen. Die Wuppertaler Grünen protestieren dagegen mit einem Brief an die Polizeipräsidentin. Eine Gruppe von Mitgliedern der Grünen wollte in Vohwinkel vor dem Flohmarkt die zahlreichen Nazi-Aufkleber entfernen. Dabei seien sie von der Polizei befragt und offen kritisiert worden. Der Leiter der Vohwinkeler Polizeiwache habe sich dort besonders hervorgetan und behauptet, es gebe in Vohwinkel kein Problem mit Rechtsextremen, sondern mit Linksextremen. Eine solche Äußerung sei angesichts der zahlreichen Nazi-Angriffe in jüngerer Vergangenheit und der vielen Aufkleber in Vohwinkel unfassbar, meinen die Grünen. Radio Wuppertal hatte die Polizei um eine Stellungnahme gebeten, sie will sich aber nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern. Allerdings soll es ein persönliches Gespräch von Polizeipräsidentin Birgitta
Rademacher mit den Grünen geben.

Keine Ermittlungen gegen Rechtsradikale.

Die Mitglieder des Wuppertaler Medienprojekts wollen, dass weiter gegen die Rechtsradikalen ermittelt wird, die im November ihre Filmpremiere gestört haben. Es war ein Film, der sich gegen rechte Gewalt richtete. 15 Radikale stürmten dabei – laut Medienprojekt – das Kino, griffen die Leute an und verletzten sie mit Reizgas. Die Staatsanwaltschaft teilte mit: „Keinem der Verdächtigen konnte eine konkrete Tat nachgewiesen werden“ und stellte die Ermittlungen ein. Das Medienprojekt will jetzt von einem Anwalt prüfen lassen, ob es gegen die Entscheidung vorgehen kann. Ein Sprecher sagte, mehrere Zeugen seien gar nicht erst gehört worden, das sei fatal. (WDR)

Polizeipresse 30.09.:

W-Friedliche Versammlung in Vohwinkel

Polizei weist Vorwürfe zurück

Über Internetplattformen wurde für den heutigen Tag (30.09.2011) zum zweiten antifaschistischen „Picobello-Tag“ in Wuppertal-Vohwinkel aufgerufen.
Ab ca. 17.30 Uhr sammelten sich ca. 40 Personen der linken Szene am Schwebebahnhof in Wuppertal – Vohwinkel. Obwohl eine Versammlungsanmeldung ausblieb, zogen die Teilnehmer unter polizeilicher Begleitung friedlich durch den Stadtteil. Im Anschluss wurde vor einem Haus in der Kaiserstraße eine Mahnwache unter dem Motto „Tanz und Gesang“ angemeldet und kurzfristig durchgeführt.
Die Polizei distanziert sich eindeutig von dem Vorwurf „auf dem rechten Auge blind zu sein“. Vielmehr geht die Polizei konsequent gegen Straftäter des rechten und des linken Spektrums vor und ist zum wiederholten Male im Einsatz, um gewalttätige Auseinandersetzungen der beiden Lager zu verhindern.

Radio Wuppertal: Polizei wehrt sich gegen Grünen-Vorwürfe

Die Wuppertaler Polizei weist den Vorwurf zurück, rechte Gewalt zu verharmlosen. Die Grünen hatten einen offenen Brief mit der Überschrift „Auf dem rechten Auge blind?“ an Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher gerichtet.
Auslöser waren angebliche Äußerungen eines Polizisten, wonach es in Vohwinkel kein Problem mit der rechten, dafür aber mit der linken Szene gebe. Dabei sind selbst der Stadt Neo-Nazi-Aktivitäten dort bekannt. Nach erstem Zögern heißt es nun in einer Polizei-Pressemitteilung, dass man konsequent gegen Straftäter des rechten und des linken Spektrums vorgehe. Die Beamten seien wiederholt im Einsatz, um gewalttätige Auseinandersetzungen der beiden Lager zu verhindern. Gestern war eine spontane Anti-Nazi-Demo in Vohwinkel mit 40 Teilnehmern friedlich geblieben. Ihretwegen musste die Kaiserstraße zum Teil gesperrt werden – für eine knappe halbe Stunde. Dass die Demonstranten diese Route wählen würden, war vorher nicht klar. Die Demo war bei der Polizei nicht angemeldet. Wie berichtet hatte es beim Vohwinkeler Flohmarkt vergangenes Wochenende Auseinandersetzungen zwischen der linken und der rechten Szene gegeben.

WDR: Antifaschisten demonstrieren

In Wuppertal-Vohwinkel haben gestern Abend etwa 50 Antifaschisten gegen die Zunahme von rechtsextremen Aktivitäten im Stadtteil demonstriert. In den vergangenen Monaten hatten rechtsgerichtete Gruppen wiederholt Andersdenkende überfallen und verletzt. Die Polizei wies unterdessen Vorwürfe zurück, auf dem rechten Auge blind zu sein – wie sie etwa die Wuppertaler Grünen erhoben hatten.

WZ: Grüne: Polizei auf dem rechten Auge blind?

Von Robert Maus und Florian Launus

Offener Brief an Polizeipräsidentin

Wuppertal. Die Straßenkämpfe zwischen rechts- und linksextremen Gruppen im Umfeld des Vohwinkel-Tages sorgen weiter für Unruhe in der Stadt. Vier Mitglieder des Kreisvorstandes der Wuppertaler Grünen unterstellen der Wuppertaler Polizei in einem offenen Brief an Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher, auf dem „rechten Auge blind“ zu sein.

Problem in Vohwinkel mit Linken oder Rechten?

Dieser Vorwurf wird in dem Brief zwar als rhetorische Frage formuliert – gleichzeitig berichten die Kreisvorstandsmitglieder Martin Möller, Janine Bruchmann, Raimond Klitsch und Olcay Bruchmann von einem Zusammentreffen mit einem Polizisten in Vohwinkel. Dieser Polizist, der sich als Leiter der Polizeiwache in Vohwinkel vorgestellt haben soll, habe gesagt, dass es in Vohwinkel kein Problem mit Rechtsextremen, aber ein erhebliches mit Linksextremen gebe.

„Diese Aussage verschlug uns, vor allem vor dem Hintergrund rechtsextremer Straftaten im ganzen Stadtgebiet, der unübersehbaren Präsenz verfassungsfeindlicher Symbole in Vohwinkel (. . .) die Sprache“, heißt es in dem Brief. Die Verfasser konstatieren, dass es sehr wohl ein Problem mit Rechtsextremen in Vohwinkel gebe. Dies dürfe von einem Vertreter der Polizei nicht ignoriert und verharmlost werden.

Die Polizei bestätigte gestern auf WZ-Nachfrage den Eingang des Briefs, wollte zu seinem Inhalt aber keine Stellung nehmen. Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher kündigte allerdings an, die Vorwürfe möglichst bald in einem persönlichen Gespräch mit den Wuppertaler Grünen erörtern zu wollen.

Radio Wuppertal: Immer mehr Kritik an Vohwinkeler Polizei-Leiter

Der Wuppertaler Landtagsabgeordnete Dietmar Bell sieht rechtsextreme Probleme in Vohwinkel. Damit widerspricht er dem Leiter der Polizeiwache in dem Stadtteil. Der hatte unter anderem in einem Telefonat mit Radio Wuppertal gesagt, dass es keine Probleme mit Rechtsextremen in Vohwinkel gebe. Bell fordert im Radio-Wuppertal-Interview, dass Stadt und Polizei das schnell aufklären sollen. Es könne nicht sein, dass ein Polizist so ein Problem bagatellisiert. Auch Vohwinkels Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann bestätigt, dass es rechtsextreme Probleme in seinem Stadtteil gibt.

Polizeipresse 06.10.:

Wuppertal (ots) – Presseerklärung

Extremistische Straftäter im Visier

Die Polizei im Bergischen Städtedreieck ist auf keinem Auge blind. Wir haben extremistische Straftäter im Visier. Uns, der Polizei Wuppertal, ist es ein wichtiges Anliegen, jede extremistische Entwicklung frühzeitig zu erkennen und ihr entschlossen entgegenzutreten.

Wir dulden keine Gewalt extremistischer Lager und gehen konsequent mit allen rechtlichen Mitteln gegen Straftäter rechter und linker Gruppierungen vor.

Wir sind präsent an Brennpunkten – offen und verdeckt. Wir kontrollieren zielgerichtet, um Konfrontationen und gewaltsame Auseinandersetzungen von Extremisten zu verhindern.

Extremismus ist ein gesellschaftliches Problem und eine große Herausforderung für die Stadt Wuppertal und die Polizei. Wir handeln gemeinsam, unterstützen die Präventionskonzepte der Stadt Wuppertal; wir bilden Netzwerke und stehen im engen Dialog mit Bürgerinitiativen, Bezirksvertretungen, der Staatsanwaltschaft und Parteien.

Wir wünschen und unterstützen den friedlichen Protest.

Wir nehmen die Sorgen der Wuppertaler Bevölkerung und insbesondere unserer Vohwinkeler Bürgerinnen und Bürger sehr ernst.

Die Wuppertaler können volles Vertrauen in Ihre Polizei haben.

Birgitta Radermacher

Radio Wuppertal: Diskussion um Rechtsextreme in Vohwinkel:

Die Wuppertaler Polizei versucht die Diskussion um Rechtsextreme in Vohwinkel zu beruhigen. Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher hat ein Gespräch mit dem Leiter der Wache in dem Stadtteil geführt. Der hatte gegenüber den Wuppertaler Grünen und in einem Telefonat mit Radio Wuppertal behauptet, es gäbe in Vohwinkel kein Problem mit Rechtsextremen. Das sei aber nicht der Blickwinkel der Wuppertaler Polizei, sagte uns Radermacher. Der Wachleiter bestreitet inzwischen, diese Aussage gemacht zu haben. Die Polizeipräsidentin will jetzt trotzdem Konsequenzen prüfen. Wie diese aussehen könnten, wollte sie im Radio Wuppertal Interview nicht sagen.

WDR: Polizei weist Kritik zurück:

Die Polizei in Wuppertal wehrt sich gegen die Kritik, ein Neonazi-Problem in Vohwinkel zu ignorieren. Der Vorwurf kam vor allem von den Grünen. Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher sagte im WDR-Interview, das Problem extremistischer Gewalt in Vohwinkel sei der Polizei sehr wohl bekannt und werde konsequent verfolgt. Man brauche aber die Bevölkerung als Zeuge, wenn es zu einem konkreten Vorfall kommt. In Vohwinkel gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der rechten und linken Szene.

WZ: Vohwinkel-Krawalle: Polizei bezieht Stellung

Wuppertal. Die Prügelattacke von Neonazis auf Personen des linken Spektrums während des Vohwinkel-Wochenendes sorgt weiter für Gesprächsstoff. Am Donnerstag meldete sich Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher zu Wort. In Bezug auf Kritik der Grünen heißt es in ihrer Erklärung: „Die Polizei im bergischen Städtedreieck ist auf keinem Auge blind.“ Und: „Wir dulden keine Gewalt extremistischer Lager und gehen konsequent mit allen rechtlichen Mitteln gegen Straftäter rechter und linker Gruppierungen vor.“

Präsidentin: Die Polizei ist präsent – offen und verdeckt

Wie berichtet, hat sich in Vohwinkel eine neue Neonaziszene gebildet. Mittlerweile wohnen dort an die 40 Neonazis – teilweise in Wohngemeinschaften. Radermacher sagte am Donnerstag, dass die Polizei an Brennpunkten präsent sei – „offen und verdeckt“. Es gelte, „Konfrontationen und gewaltsame Auseinandersetzungen von Extremisten zu verhindern“. Die Erklärung offenbart auch, dass die Polizei allein das Extremismusproblem in Vohwinkel nicht lösen kann: „Extremismus ist ein gesellschaftliches Problem und eine große Herausforderung für die Stadt Wuppertal“, sagt Radermacher und stellt klar: „Wir wünschen und unterstützen den friedlichen Protest.“ Man nehme die Sorgen der Bevölkerung in Vohwinkel ernst.

Fakt ist: Derzeit laufen 15 Strafverfahren gegen Neonazis wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung. Wie berichtet, handelt es sich dabei um Fälle, in denen Neonazis sich mit Personen des linken Spektrums geprügelt haben sollen. Die Ermittlungen dauern an. spa

Solinger Bote 08.10.:

Solingen: Markus Preuß unter Beschuss

Wuppertal/Solingen Hat Markus Preuß, Wachleiter der Vohwinkeler Polizei und Solinger Kommunalpolitiker (BfS), ein eventuell bestehendes Nazi-Problem verharmlost?

Dies jedenfalls werfen ihm die Grünen vor. Preuß soll uniformiert geäußert haben, es gäbe in Vohwinkel kein Problem mit Rechtsextremen, sehr wohl aber mit Linksextremen.

Hochgekocht ist die Debatte, nachdem mehrere Personen, die mutmaßlich der Nazi-Szene zuzurechen sein sollen, nach körperlichen Attacken auf Besucher des Vohwinkler Flohmarktes festgenommen wurden.

In einem Rundschreiben, welches zu einer Kundgebung gegen rechte Gewalt aufgerufen hatte, heißt es unter anderem: “Den Vogel schießt aber der Polizeichef von Vohwinkel, Markus Preuss ab.

Der Freizeitpolitiker Preuss, der für BfS im Solinger Stadtrat sitzt, verstieg sich unlängst zu der Behauptung, Vohwinkel habe ein Extremismusproblem von links und rechts und schickt seine Untergebenen in die Vohwinkler Schulen, um vor Antifaschist*innen zu warnen. Gleichzeitig liesse er die Nazis gewähren.

Seit seiner Amtseinführung 2009 kann sich die Naziszene in Wuppertal-Vohwinkel ungehindert ausbreiten, so der Vorwurf. Offene Nazitreffs, wie z.B. auf dem Vohwinkler Akzenta Parkplatz, werden geduldet. Nazis wie Kevin Koch können ungestraft mit Hakenkreuzfahnen winken. Die Straßennazis um Rene Heuke, Tim Schulze-Oben und Maik Dasberg sorgen für die körperlichen Angriffe mit Messern, Knüppeln und abgebrochenen Flaschen.

Offenbar beflügelt von der öffentlichen Debatte meldete sich gestern auch die für Solingen, Remscheid und Wuppertal zuständige Polizeipräsidentin, Birgitta Radermacher, zu Wort, und widersprach der Darstellung der Gegendemostranten. In einer Erklärung teilte sie mit, dass die Polizei keinen Unterschied zwischen rechten und linken Straftätern mache, so Radermacher.

Weiter hieß es: Extremismus sei ein gesellschaftliches Problem und eine große Herausforderung für die Stadt Wuppertal und die Polizei. “Wir sind präsent an Brennpunkten – offen und verdeckt.Wir nehmen die Sorgen der Wuppertaler Bevölkerung und insbesondere unserer Vohwinkeler Bürgerinnen und Bürger sehr ernst.”, so Radermacher abschließend.

Preuß selbst bestreitet indes die fragliche Äußerung überhaupt gemacht zu haben. Ob und welche Konsequenzen das Für Markus Preuß haben könnte, steht derzeit noch nicht fest. Preuß sei zwar nicht suspendiert, hieß es, der bloße Eindruck ein Führungsbeamter sei nicht neutral, könne jedoch problematisch sein, hieß es weiter.