PM: Einen Tag nach Oslo – Anschlag in Radevormwald

Anmerkung: Wir empfinden es als äußerst problematisch, eingeworfene Scheiben & einen Anschlag mit über 90 Todesopfern in einem Atemzug zu nennen. Jedoch ist die ideologische Nähe zwischen den Neonazis in Radevormwald & dem Täter von Oslo nicht zu übersehen. Jetzt die Pressemitteilung der Linkspartei in Radevormwald.

24. Juli 2011; Einen Tag nach Oslo – Anschlag in Radevormwald

Nur einen guten Tag hat es gedauert, bis die katastrophalen,
christlich-fundamentalistisch und faschistisch motivierten Anschläge
von Oslo (Norwegen) in Radevormwald Nachahmer gefunden hatten.

Mit Empörung weisen wir darauf hin, dass die Moschee einer unserer
moslemischen Gemeinden in der Nacht von Samstag auf Sonntag, mutmaßlich
gegen Mitternacht, mit Steinwürfen angegriffen wurde. Mit schweren
Quarzsteinen wurden drei der vier doppelt verglasten Fenster des
unscheinbaren Moschee-Gebäudes zerstört. Einer der Steine wurde mit
derartiger Wucht geworfen, dass Teile absplitterten.

Wir weisen darauf hin, dass der gefasste Täter von Norwegen auch gesagt
haben soll, er kämpfe gegen die Islamisierung Europas und die
linksliberale Politik. Genau dieses Feindbild kennen wir von in
Radevormwald aktiven Organisationen der extremen Rechten: „pro NRW“.
Wir erinnern daran, dass bereits im letzten Jahr im Zusammenhang mit
den durch einen Aachener Nationalisten geplanten Sprengstoffanschlägen
„pyrotechnische Mittel“ bei Rechtsaktivisten auch in Radevormwald
gefunden wurden. Wir stellen die Frage nach den Konsequenzen – Was ist
seither getan worden, um rechten Gewalttätern Einhalt zu gebieten?

Es darf hier keine Verharmlosung mehr geben. Gerade die Gefahr, die von
sich selbst so nennenden Rechtspopulisten ausgeht, darf nicht mehr
unterschätzt werden. Der Täter von Oslo war bis 2006 in einer solchen
Partei. Sie predigen den selben Hass gegen alles, was anders ist, wie
ihre geistigen Väter im Dritten Reich. Nach den schrecklichen
Anschlägen von Norwegen muss in Deutschland verstanden werden: Das
Verbot aller faschistischen Organisationen ist eine akute Frage der
inneren Sicherheit – Es muss sofort umgesetzt werden!

Von unpolitischem Vandalismus kann indes im Fall Radevormwald, nicht
nur auf Grund der zeitlichen Zusammenhänge, niemand ernsthaft ausgehen.
Der Anschlag auf die Radevormwalder Moschee war offensichtlich geplant.
Die Täter mussten derart geeignete Steine vor der Tat beschaffen und
zum Tatort transportieren. Wir gehen davon aus, dass aus diesem Grund
„nur“ drei Steine geworfen wurden.

Kleine Städte sind nicht vor braunen Verbrecherbanden sicher. Die
Menschen in Radevormwald in akuter Gefahr. Wir erinnern an den
Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Hückeswagen vom 9. Oktober
1991, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft – nur durch Zufall kam
damals kein Mensch ums Leben.