Schon wieder Übergriffe.

In Wuppertal und Umland häufen sich momentan die [körperlichen] Übergriffe von Nazis gegen [vermeintliche] Andersdenkende. Wir haben versucht eine -wahrscheinlich unvollständige- Auflistung dieser zu erstellen. Besorgniserregend würden wir dabei vor allem den kontinuierlichen Anstieg der Gewaltbereitschaft/-Tätigkeit der „NaSoWpt“ und deren Umfeld bezeichnen. Was sich erst noch auf zögerliche Pöbeleien mit anschließendem wegrennen beschränkte, reicht heute zum unzögerlichem Messerzug.

Nun aber von vorne. Vor ca. 2 Jahren traten die „Nationalen Sozialisten Wuppertal“ erstmals gewaltsam als Gruppe in Erscheinung. Damals war außer auf Fotos mit zu Baseballschlägern umfunktionierten Pfeffermühlen und kleinen Hakenkreuzfähnchen1 Posen & regelmäßigen Gruppenbesäufnissen wenig los im Umfeld der „NaSoWpt“. Hier und da mal pöbeln & Sticker verkleben, manchmal auf Naziaufmärschen mitlaufen und seltener in größeren Gruppen Einzelpersonen angreifen. Damals wurden die Angriffe dieser damals eher noch nicht überregional wichtigen Gruppe oftmals entschieden abgewehrt oder entschlossen beantwortet. Höhepunkt der Übergriffe zu dieser Zeit war ein Schuss aus einem Luftgewehr aus einer gegenüberliegenden Wohnung auf Menschen die gerade auf der Garage des Autonomen Zentrums arbeiteten.

Ende 2009 bis Herbst 2010 schienen die „NaSoWpt“ „eingeschlafen“. Bis auf ein, zwei Flyeraktionen, einigen Demoberichten & ekligen „White Power, du Hurensohn!“;“Game over Subhumans“&“Hitler“-Stickern blieb der „Widerstand“ der selbsternannten „Nationalen Sozialisten“ aus.

Im September 2010, versuchten ca. 20-30 Nazis ein Antifa-Festival in Vohwinkel anzugreifen. Als diese in der Schwebebahnstation „Vohwinkel“ ausstiegen wurden diese schon von einigen Antifas und der hastig herbeieilenden Polizei erwartet. Alle Nazis wurden mit aufs Revier genommen. Bei der Durchsuchung fanden die Polizist_inn_en mehrere Schlagstöcke, Pfefferspray usw.

Anfang Oktober tauchte dann ein Aufruf für einen Aufmarsch in Velbert auf. Dieser wurde maßgeblich von den „NaSoWpt“ organisiert. Bei den Versuchen Flyer für diese zu verteilen wurden ca 10-15 Nazis jedes Mal von einer Handvoll Antifas verscheucht, trotz der Tatsache das sie mindestens einmal bewaffnet waren.

Am 30.11.10 fand die Uraufführung von „das braune Chamäleon“ vom Medienprojekt statt. Kurz vor Beginn tauchten ca. 25 Nazis im Cinemaxx auf.2 Einige Securities baten diese das Gebäude zu verlassen und verteilten ein Hausverbot für die Gruppe. Die Gruppe Nazis machte sich daraufhin zögerlich auf den Weg Richtung Tür. Als sie dann anfingen Hitlerjugendlieder zu singen, schritten einige Antifaschist_inn_en ein & übertönten das Gelalle der Nazis mit Parolen. Daraufhin wurden die Nazis handgreiflich, sprayten wild mit Pfefferspray um sich und schlugen auf die Securities & Kinobesucher_inn_en mit Schlagstöcken ein. Den Anwesenden gelang es die Nazis aus dem Gebäude zu befördern und die Türen zu schließen. Nun nahmen die sichtlich überraschten Nazis eine Baustelle auseinander und versuchten die Glasfront des Kinos mit Steinen einzuschmeißen. Dies gelang ihnen nicht. Die nun eintreffende Polizei nahm einen Großteil der meist minderjährigen Angreifer fest.

Nun tauchte Anfang Dezember eine Mobipage für einen Naziaufmarsch am 29.01.11 auf. Anscheinend aufgrund der vorherigen „Niederlagen“ beim verteilen von Flyern, luden sie Nazis aus Essen und anderen Städten dazu ein. Als knapp 10 Antifaschist_inn_en in die Nähe der Nazis kamen ertönte eine Trillerpfeife und ca. 40 Nazis mit Schlagstöcken bewaffnet und „national-socialist-hooligans“ brüllend kamen auf die Antifas zu.3 Diese zogen sich zurück, die Nazis widerrum liefen pöbelnd durch die Innenstadt bis Passant_inn_en diese verscheucht hatten. Am Abend fand dann eine Spontandemonstration von über 100 Antifaschist_inn_en und Jugendlichen aus Wuppertal in Vohwinkel statt.

In der Nacht vom 28. auf den 29.01. diesen Jahres versuchten 4 Nazis teils mit Cuttermessern bewaffnet Leute vorm AZ anzugreifen. Die kurz darauf eintreffenden Polizisten durchsuchten die Nazis und ließen sie dann zurück in ihre Wohnung. Im Laufe des 29.01. fanden einige weitere Übergriffe von Nazis auf vermeintliche Gegendemonstrant_inn_en statt.

Am 02.04.11 wurden 9 Wuppertaler Nazis in Schwelm aus einer Regionalbahn heraus festgenommen, da sie andere Fahrgäste beleidigten und angriffen.4 Sie waren auf dem Rückweg von einem Naziaufmarsch in Dortmund.

Nun, am 07.April 2011 pöbelten Tim S. aus Düsseldorf und Marie L. aus Wuppertal einen vermeintlichen Antifa im Bahnhof an und bedrohten diesen mit einem Schlagstock. Gegen 20h befanden sich 5 Menschen auf dem Heimweg, als sie Tim S. erblickten. Sie folgten ihm in Richtung Bahnhof. Als dieser sie erkannte, zog er fast gemütlich seinen Schlagstock und danach ein größeres Messer und bewegte sich auf die 5 Personen zu. Diese zogen sich langsam zurück.

Am 11.04.11. erreichten die Übergriffe ihren [vorerst] traurigen Höhepunkt. Nazis griffen einige Personen an, verletzten einen von diesen mit einem Messer leicht an der Hand.

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Anmerkung: Vor allem in den letzten Monaten werden einige Antifas vermehrt durch nächtliche Anrufe belästigt. Wir haben bewusst darauf verzichtet dieses im Text zu erwähnen.

  1. Foto Maik D. & Kevin K. [zurück]
  2. Pressespiegel Übergriff Cinemaxx [zurück]
  3. Übergriff Innenstadt [zurück]
  4. Festnahme Nazis Schwelm [zurück]

6 Antworten auf „Schon wieder Übergriffe.“


  1. 1 Barmerin 13. April 2011 um 12:47 Uhr

    Danke für eure Mühe und euren Einsatz. Allerdings möchte ich doch anmerken, dass die rechte Subkultur hier in Wuppertal offensichtlich völlig normal ist. Speziell in Barmen muß man schon acht geben, nicht ins Visier der Nazis zu geraten, wenn man NICHT so aussieht wie die… zudem scheint es den Bürgern hier egal zu sein, dass die rechten das Stadtbild bestimmen.

  2. 2 Administrator 15. April 2011 um 10:11 Uhr

    Inwiefern „völlig normal“?

  3. 3 Barmerin 15. April 2011 um 11:16 Uhr

    Ich bin aus Köln zugezogen. Ich habe noch in keiner anderen Stadt erlebt, dass die Rechtsradikalen eine solch große Akzeptanz in der Bevölkerung haben. Niemand regt sich scheinbar darüber auf, dass Nazis hier in Barmen (in Elberfeld ist es ja noch nicht ganz so schlimm) mit T-Shirt’s mit eindeutig rechter Propaganda herumlaufen, Pöbeleien werden einfach ignoriert. Am Bahnhof in Oberbarmen treffen sich die rechten bei schönem Wetter, hängen ungestört herum und verbeiten Angst. Sie haben sich dort sogar eine stählerne Vorrichtung an der Wupperbrücke angebracht, die sie als Tresen nutzen, mit einem „Nummernschild“ als Verzierung, welches die „88″ zeigt. Man kann hier keine 10m herumlaufen, ohne einem Lifestylefascho oder einem „gestandenem“ Nazi über den Weg zu laufen. Als Frau wird einem da mülmig, wenn man an öffentlichen Plätzen wie dem Oberbarmer Bahnhof vorbei muß, vor allem, wenn man evtl. etwas „anders“, alternativ ausschaut und keine Lust hat, sich der rechten Kleidungsmode unter zu ordnen.

  4. 4 Administrator 17. April 2011 um 19:40 Uhr

    Wohl wahr, in Elberfeld ist es noch nicht so schlimm*. Dafür in Vohwinkel. Dort findet man kaum eine Laterne, Bushaltestelle o.ä. die nicht mit Nazistickern vollgeklebt ist. Wir waren „früher“ oft in Barmen, haben deren Locations gesucht [& teil´s gefunden], sind ihnen auf die Pelle gerückt usw. Das Problem liegt vllt daran das kaum jemand Infos weitergibt. Sprich z.B. uns; dem antifa-Café [http://antifacafewuppertal.blogsport.eu]; dem Autonomen Zentrum; vllt sogar basta! eine eMail schickt oder selbst zum antifa-Café geht, wenn man öfters Nazis trifft oder angepöbelt/angegriffen wird. Oder vllt auch daran das diese eMail-Adressen & Treffen nicht transparent genug sind.

    *Obwohl, die meisten Übergriffe in der letzten Zeit passierten in Elberfeld.

  5. 5 Administrator 21. April 2011 um 11:30 Uhr

    @uab: Jop, veröffentlichen den Kommentar nicht. Danke schonmal für die Infos.

  1. 1 Erneuter Naziübergriff « Infoportal Wuppertal Pingback am 09. Mai 2011 um 22:22 Uhr
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